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Aktuelles

Partizipation – zwischen Kinderparlament und Jacke ausziehen in der Kindertageseinrichtung St. Josef, Menden Lendringsen

Partizipation gehört mittlerweile fest zum Wortschatz in unserem pädagogischen Alltag. Wo man früher noch häufig hörte „Parti..was?“, ist die Mitbestimmung der Kinder nun fester Bestandteil in den allermeisten Konzepten. Spätestens seit der Artikel 12 (Berücksichtigung des Kinderwillens) in der UN-Kinderrechtskonvention fest verankert wurde, haben die Meinungen und der eigene Wille der Kinder eine Stimme bekommen.

Doch nun ist es noch ein ganzes Stück von der Theorie in die Praxis. Wie setzen wir das, was jahrzehntelang erarbeitet wurde im Alltag überhaupt um?

Es gibt die schönen Beispiele von Kinderkonferenzen und Kinderparlamenten; Politik im Kindergarten! Man wählt seine Vertreter (natürlich demokratisch!), diese gehen gemeinsam ins Parlament, und eben jenes trägt dann seine Wünsche und Beschwerden der Bundeskanzlerin…ich meine der KiTa-Leitung vor.

Doch Partizipation beginnt schon morgens in der Garderobe. Paul ist seit langem das erste Mal wieder im Kindergarten. Eine Zwangspause durch Corona. Doch so richtig freut er sich darüber nicht. Es fließen ein paar Tränen, dann wagt er den Schritt doch hinein. In der Garderobe entscheidet er sich seine Jacke, Schuhe, Mütze und seinen Schal gleich einfach an zu behalten, damit er auch direkt fertig ist, wenn Mama ihn in ein paar Stunden abholt. In Ordnung, Paul hat diese vollkommen logische Entscheidung für sich getroffen, kann sich jederzeit umentscheiden; aber tatsächlich bleibt er dabei und ist selbstverständlich abholbereit, als seine Mama zurückkommt.

Auch der kleine Niko hat eine ganz klare Entscheidung für sich getroffen und verteidigt diese immer mit den Worten: „Meine Mama kann am besten wickeln“. Von Beginn seiner Kindergartenzeit an möchte er seine Windel nicht von den Erzieherinnen wechseln lassen. Auch die Begleitung in den Wickelraum, das Anpreisen der unfassbar tollen Wickelkommode und das Versprechen, dass auch wir super Windelwechsler sind, überzeugen ihn nicht. Die Absprache mit der Mama lautet, dass wir sie, sobald er sein Geschäft erledigt hat, anrufen und sie zum Wickeln vorbeikommt. Das klappt sicher nicht in jeder Familie, doch in diesem einen Fall tut es das. So fühlt sich nicht nur Niko wohl, sondern auch wir, da wir auf seinen Willen und seinen Wunsch, bezüglich einer ganz intimen Angelegenheit, eingehen und eine Lösung finden konnten.

Kommen wir zum Mittagessen. Ein sensibles Thema. Nicht allzu selten hört man noch von der „Uralt-Regel“: „Wenn Du deinen Teller nicht leer isst, gibt es keinen Nachtisch!“. Doch Matilda, ein kerngesundes Kind, das bereits zum Frühstück zwei Brote verputzt hat, stochert nur in ihrer Mahlzeit herum. Essen soll Spaß, soll Lust machen und nicht ein Prozedere, welches man mehrmals am Tag durchläuft, weil es eben so sein muss. Lebensnotwendig, das steht außer Frage, aber ein Kind dazu zwingen, nur damit es später in den Genuss eines Puddings kommen darf, hat rein gar nichts mit der Akzeptanz und Respektieren des eigenen Willens zu tun. Wir als Erwachsene mögen auch nicht jede Speise und essen sie nicht. Matilda bekommt ihren Pudding, denn sie hat entschieden, dass sie das warme Essen nicht probieren möchte und auch das ist vollkommen in Ordnung.

Auch wir hier in unserem Kindergarten leben Partizipation in Stuhlkreisen und Abstimmungen darüber welches Spielmaterial ausgetauscht, welches Lied gesungen oder welche Gruppenregeln überarbeitet werden müssen. In Zeiten vor Corona, fand auch wöchentlich ein Kinderparlament statt. Doch ihren eigenen Willen und ihre durchaus bedeutsame Meinung bringen unsere Schützlinge bereits morgens von zuhause mit. Dies merkt man schon in kleinen Situationen, die für die Kinder von großer Bedeutung sind.


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